06. November 2007

Wahrhaft agile Entwicklung

Schade, dass sich die wörtliche Übersetzung förmlich aufgedrängt hat. "Flinke Entwicklung" würde auch ziemlich verdächtig klingen. Wie belebend jedenfalls Extreme Programming, Scrum und Co. sein können, zeigt der Wettbewerb 'Agile Advert' auf unterhalsame Art.

Das klassische Software-Engineering hatte es schon schwer genug in der Praxis. Man kann sich also fragen, wie Usability-Engineering funktionieren soll. Zunächst sieht es für mich so aus, dass man inzwischen erkannt hat, dass es bei vielen Projekten keinen Sinn macht, von Anfang an alles perfekt zu machen. Was nützt eine groß angelegte Befragung zu den Bedürfnissen der späteren Endanwender, wenn die Ergebnisse zu spät und in nicht verwertbarer Form vorliegen?

Da in der agilen Entwicklung Benutzer nicht mehr völlig ignoriert werden, sprechen eingie bereits vom "agilen Usability Engineering". Eine strikt benutzer-zentrierte Entwicklung gilt dabei als zu schwerfällig und aufwändig für die Praxis. Viele stellen den Nutzen entsprechender Methoden nicht nur in Frage, sondern bezeichnen die konsequente Einbeziehung von Benutzern in den Entwicklungsprozess sogar als schädlich ('Human-Centered Design Considered Harmful'). Don Norman und andere wollen damit im Grunde nur verdeutlichen, dass es um einen verantwortlichen Umgang mit Benutzern geht. Das bedeutet vielfach auch, sich über die Aussagen von Benutzern bewusst hinweg zu setzen, um alternative Lösungen anzustreben. Wie schwierig allerdings diese Aufgabe ist und wie viel Design-Erfahrung hierfür nötig ist, zeigen unsere ersten beiden Podcastfolgen sehr anschaulich.

Agile Entwicklung legt zwar eine stärker aktivitätsbasierte Sicht auf den Entwicklungsprozess nahe. Allerdings wies auch Thomans Geis im Podcast darauf hin, dass man Entwickler schnell mit Designaufgaben überfordern kann. Alan Cooper, der gerne von "Interaction Design" spricht, sieht dementsprechend das große Problem agiler Entwicklung darin, dass sie lediglich kurzfristige Lösungen anstrebt und wenig Interesse an einer langfristigen Anpassung der Organisationskultur hat. Kent Beck sieht das erwartungsgemäß anders. Die lesenwerte Diskussion zwischen den beiden kann man hier nachlesen.

Ich würde mich jedenfalls sehr über Anmerkungen von Entwicklern und entsprechende Kommentare zu den Chancen agiler Entwicklung freuen!

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